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Karpfenangeln im Winter

So gelingen Dir eiskalte Fänge, während die meisten auf dem Sofa ausharren

Der Winter ist wohl die anspruchsvollste Jahreszeit, einen Karpfen zu überlisten. Ursächlich dafür ist die Tatsache, dass unsere wechselwarmen Freunde ihren Stoffwechsel im kalten Wasser arg drosseln. Dennoch ist das Karpfenangeln im Winter nicht aussichtslos. Gehst Du mit der richtigen Einstellung und Taktik an dieses Vorhaben heran, besteht durchaus die Möglichkeit, noch den ein oder anderen Cypriniden in die Matte zu bekommen.

Karpfenangeln im Winter

Nachfolgend stellen wir Dir vor, wie Du Deine Fangwahrscheinlichkeit im Winter bestmöglich erhöhen kannst. Wir hoffen, Dir mit diesem Ratgeber weiterhelfen zu können.

Karpfenangeln im Winter – Die Platzwahl ist wichtiger denn je

Zunächst einmal stellt sich die Frage, welche Bedingungen man überhaupt als Winter definiert. Bedingt durch die immer häufiger auftretenden Wetterkapriolen, können wir spät im Jahr teils noch Wassertemperaturen um 8-9 Grad Celsius bestaunen. Solche Gegebenheiten sind eher noch der Herbst-Angelei zuzuordnen.

Bei Temperaturen von 6 Grad Celsius und weniger wird es unter Wasser dann erst richtig winterlich. Unsere

Karpfen Winter Tipps

Das Wasser hat 6 Grad – Jetzt beginnt die „echte“ Winterangelei

wärmeliebenden Karpfen schränken ihre Bewegungsfreude dann wirklich weitgehend ein. Umso wichtiger wird die Frage, wo wir angeln. Um auch im Winter an Fisch zu kommen, solltest Du Dir einfache und überschaubare Gewässer vornehmen. Kommt aufgrund von Frost nur noch der Fluss in Frage, hat man natürlich ohnehin keine Auswahl mehr.

Tendenziell ist es bei kaltem Wasser ratsam, die Ruten tief abzulegen. Gerade bei der Angelei über Nacht macht es Sinn, im unteren Drittel des Gewässers zu fischen. Bekanntermaßen liegt dort die Temperatur konstant bei 4 Grad Celsius, während die Oberflächentemperatur in schlechten Zeiten, durch Eisregen oder Schneefall, manchmal nur bei 2 Grad Celsius liegt.

Dezember Januar Februar Frost

Leider über einige Monate einzuplanen – Nachtfrost

Findet die Angelei über den Tag hinweg statt und die Sonne scheint kräftig, sind auch Überraschungen drin. Zu dieser Zeit solltest Du flexibel die Augen offen halten. Ziehen Karpfen im flachen Uferbereich und tanken Sonne, gehört die Montage natürlich auch dort hin.

Verfügt Dein Gewässer nach Wahl im Übrigen über einen Warmwassereinlauf, ist dies nun der perfekte Anlaufpunkt. Dort legen die Karpfen weiterhin ein eher aktives Verhalten an den Tag. Den wenigsten ist dieses Glück jedoch vergönnt.

Tipps zur Platzwahl im Winter:

  • Befische am besten ein Dir bereits bekanntes Gewässer, das Du als vergleichsweise „einfach“ einstufst
  • Karpfen ziehen sich in der ungemütlichen Zeit in tiefe, geschützte Bereiche zurück
  • Es muss nicht zwingend der tiefste Bereich des Gewässers sein, jedoch sind solche Bereiche ein guter Anlaufpunkt
  • Darfst Du Dein Gewässer mit dem Echolot überfahren, kannst Du unter Umständen richtige Ansammlungen von Karpfen in den tiefen „Kuhlen“ vorfinden
  • Gibt es keine nennenswerten Tiefenunterschiede, sind Hindernisse oft eine gute Wahl (Karpfen verstecken sich gerne im Totholz, Buschwerk jedweder Art und unter Stegen
  • An sonnigen Tagen ist es möglich, das die Karpfen überraschend flach ziehen

Karpfenangeln im Winter – Wir brauchen maximale Attraktion und Bekömmlichkeit

Weil die Karpfen im kalten Wasser sehr verhalten fressen, müssen wir im Winter alles daran setzen, dass sie unseren Hakenköder als „lohnenswert“ einstufen. Unser Köder sollte nun sehr attraktiv sein. Was im warmen Wasser, aufgrund von lästigen Beifängen, problematisch erscheint, kann bei unter 8 Grad häufig problemlos zur Anwendung kommen:

  • Kleine Durchmesser von 16 mm und weniger
  • Verwendung von Lebendködern, wie Maden am Maggot-Clip, kann an schwierigen Tagen den Unterschied ausmachen
  • Weiche Boilies, die schnell Inhaltsstoffe an’s Wasser abgeben
  • Spare jetzt nicht mit Fress-Stimulatoren (Fermentiere Produkte, Betain, Buttersäure, Extrakte, eindrückliche Gewürze)
  • Soaken in Dips und Liquids
  • Neon-/UV-Köder
  • Einsatz von Teig und Weichfutter

Kleine, auffällige Boilies sind bei kaltem Wasser mitunter die richtige Wahl

Dass wir beim Karpfenangeln im Winter attraktiv angeln müssen, hängt auch damit zusammen, dass nun die Sinne des Karpfens (Sicht & Geschmack) eingeschränkter sind. Einen ausgehärteten, strukturell verschlossenen, dunklen Bottom-Bait wird der Fisch jetzt nur im unwahrscheinlichsten Falle überhaupt als Nahrung ausmachen, wodurch eine Aufnahme noch unmöglicher erscheint.

Karpfenangeln im Winter – Köder & Montage

Wie bereits erwähnt, können die Köder im Winter gemeinhin kleiner und auffälliger werden. Brassen und Krabben sind im kalten Wasser nämlich ebenfalls weit weniger aktiv. So manchen Angler freut die Tatsache, dass er nun in Sachen Attraktivität aus dem Vollen schöpfen darf. Für andere wird es vielleicht lästig erscheinen, nun den ein oder anderen Euro mehr für hochwertige Komponenten ausgeben zu müssen, was definitiv angebracht erscheint.

Welche Boilies im Winter

Welche Boilies sind im Winter am besten? Kugeln, die nach dem Dämpfen von außen z.B. noch extra mit Betain und Brocacel bestreut werden, haben gute Karten, schnell entdeckt zu werden.

Wenn Du Boilies einsetzt, empfehlen sich im Winter Größen zwischen 8 und 16 mm. Hast Du es mit Alanden und/oder Döbeln zu tun, musst Du vielleicht recht groß bleiben. Ein anderer Tipp in Sachen verbleibende Weißfischattacken kann es sein, die Boilies übermäßig scharf zu machen. Während Karpfen hier eigentlich keine Grenzen kennen, springen kleinere Weißfische irgendwann vergleichsweise zuverlässig ab.

Montage Winter

Reicht im Winter oft vollkommen – Kleiner Köder mit PVA-Stringer

Die bindenden Komponenten im Boilie, wie beispielsweise Casein oder Eggalbumin, können nun reduziert werden. Wasserlösliche Attraktoren, darunter Leberextrakt und CSL, sollten nun hingegen nicht zu knausrig dosiert werden. Hiermit kann sich final entscheiden, ob der Karpfen den Köder entdeckt und willig ist, jenen aufzunehmen. Generell bietet es sich an, den Boilie mittels Birdfood o.ä. offener zu gestalten, damit die Inhaltsstoffe schnell abgegeben werden.

Karpfen Angeln mit Teig

Den Hakenköder und das Blei mit Teig umkneten – schon hat man die Attraktivität wesentlich gesteigert. Manche Angler behaupten allerdings, Teig am Blei würde die Karpfen irritieren. Das muss jeder für sich entscheiden – ich fange Karpfen zusätzlich mit Teig am Blei und höre daher auch nicht mit dieser Taktik auf.

Darüber hinaus ist auch an die optische Attraktivität zu denken. Kleine Pop-Up- oder Schneemann-Köder lassen sich vom Fisch schneller ausmachen. UV-aktive Köder und die Farben Lila, Gelb und Weiß bleiben bewährte „Aufmerksamkeits-Macher“. Auch schwerelose Wafter bieten sich beim Karpfenangeln im Winter an, denn jene landen selbst bei einer verhaltenen Ansaugung seitens Karpfen noch recht zuverlässig in dessen Maul.

Karpfen Winter Köder

Neben dem Einsatz von Boilies, bieten sich u.a. folgende Köder an:

  • Teig an einer Kugelschreiber-Spirale oder am Paster (auch zum Umkneten des Boilies und/oder Bleis)
  • Seidenraupen (sofern jene nicht auftreiben sollen, muss ein kurzes Abkochen erfolgen)
  • Maden am Clip
Karpfen Lebendköder

So ein Sandwich, mit Zuckmückenlarven oder Wasserflöhen in der Zentralen (Arma Mesh), kann im Winter auch eine zielführende Alternative darstellen. Wie immer macht nur der Versuch klug.

Auch die Vorfach- und Haarlänge kann beim Karpfenangeln im Winter über den ersehnten Ablauf entscheiden. Manche Karpfenangler schwören nun auf sehr kurze Rigs und reduzieren deren Länge, je nach Wassertemperatur, teils auf nur 5-7 cm. Das hat den Hintergrund, dass sich die Karpfen eben viel bedächtiger bewegen und somit teils auch nicht so schnell nach der Aufnahme haken. Gerade in stehenden Gewässern, in welchen der Boden kurze Vorfächer zulässt, kann das von Nutzen sein. Ich persönlich fange im Winter auch auf 15-18 cm. Im Fluss kann man ja manchmal ohnehin nicht viel kürzer angeln.

Karpfenangeln im Winter – Wann ist Futter sinnvoll?

Da die Karpfen im Winter kaum Nahrung aufnehmen und sehr schnell ihren Bedarf voll gedeckt haben, solltest Du mit dem Umgang von Beifutter nun vorsichtig sein. Ab einer Wassertemperatur von 6 Grad Celsius und weniger sollte im Prinzip gar kein Beifutter mehr rund um den Hakenköder liegen. Einzig und allein ein kleiner PVA-Stick mit Micropellets oder Groundbait erscheint hier vielleicht noch sinnvoll.

Futter im Winter

Haferflocken, Pellets aus fermentierten Produkten, Groundbait – Im wirklich kalten Wasser solltest Du Dein Futter stark reduzieren und beim eigentlichen Ansitz sogar dessen grundsätzliche Sinnhaftigkeit überdenken

Wenn Du die Zeit und das Budget hast, kannst Du Deinen potenziellen Winterplatz ab dem Herbst allerdings regelmäßig mit Futter vorbereiten. Das ist üblicherweise kein Problem, da sich die Standplätze im Spätherbst und Winter tendenziell gleichen.

Im Winter Teig füttern

Auch zum moderaten Anfüttern hält Teig im Winter prima her.

Konditioniert man die Fische noch bei 10-15 Grad auf die eigenen Köder, indem man regelmäßig füttert, lässt sich durchaus annehmen, dass sich die Wahrscheinlichkeit für Bisse im kalten Wasser erhöhen lässt.

Karpfen mit Zuckmückenlarven

Die Ausscheidungsprodukte von Zuckmückenlarven locken Karpfen auf den Plan. Auch tote Bloodworms erhöhen die Attraktivität in Boilie, Teig und Stick-Mix.

Im kalten Wasser kommt es dem einen oder anderen vielleicht in den Sinn, Lebendköder, wie Maden, nebenher zu füttern. Sind jene beim eigentlichen Ansitz noch im Wasser, hat der eigentliche Hakenköder, in Form eines Boilies, jedoch oft keine Chance mehr.

Karpfenangeln im Winter – Auch eine Frage der persönlichen Sicherheit

Überaus wichtig ist beim Karpfenangeln im Winter auch der Aspekt der eigenen Sicherheit. Gerade wenn Du über Nacht bleibst, solltest Du Vorkehrungen treffen. Teils zweistellige Minusgrade können schließlich zu einer Gefahr für Leib und Leben werden.

Zunächst solltest Du prüfen, für welche Temperatur Dein Schlafsack ausgelegt ist. Ein dickes Teddy-Futter muss in wirklich kalten Winterwochen schon her. Dann sind Werte um -15 Grad Celsius zumindest nicht lebensgefährlich.

Neben einem angemessenen Schlafsack, ist das Vorhalten von trockener Winterkleidung wichtig. Bewährt hat sich beim Tragen das Zwiebel-Prinzip, bei welchem Du viele, verschiedene Schichten trägst. Bei mir hat sich als untere Schicht der Nash Polar Second Skin bewährt. Dieser isoliert sehr gut. Darüber werden dann am besten noch T-Shirt, Pullover, Fleece-Jacke und eine dicke Winterjacke angelegt.

Zusammen mit einer dicken Arbeitshose und/oder einer richtigen Winterhose, sollte Dir im Zelt dann definitiv nicht kalt werden. Ich persönlich trage als äußerste Schicht zu dieser Jahreszeit zumeist den Fox Rage Winter Suit. Dieser kommt eigentlich aus dem Raubfisch-Sektor, aber das wissen ja die Karpfen nicht.

Was einmal im Winter nass wird, trocknet beim eigentlichen Ansitz zumeist nicht mehr oder nur sehr langsam. Deshalb solltest Du beispielsweise daran denken, ein 2. Paar Socken mitzunehmen, falls das 1. Paar beim Aufbauen bereits klamm wird.

Ob sich die Angelei bei eisigen Winden jedoch tatsächlich als komfortabel herausstellt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wenn es draußen „sauig“ ist, bieten sich großräumige Zelte an, in denen man sich über den ganzen Tag hinweg aufhalten kann. In jenen kann man dann auch nicht nur liegen, sondern teils fast aufrecht stehen oder zumindest auf einem Stuhl sitzen.

Großräumige Zelte bieten jetzt auch den Vorteil, einigermaßen sicher im Inneren kochen zu können. Beachten dabei jedoch unbedingt, dass die Tür offen sein sollte. Auch eine Bodenplane ist der Sicherheit in diesem Zusammenhang eher abträglich.

Warme Speisen und Getränke tragen ebenfalls zu einem hohen Komfort am Wasser bei. Tee und Kaffee sind der Motivation definitiv nicht abträglich.

Ein Benzin-Kocher läuft auch bei Minusgraden zuverlässig

Sollte Dir dann doch einmal beim Karpfenangeln im Winter kalt sein, hilft Bewegung. Ein Marsch um den halben See erscheint zunächst lästig. Hast Du Dich zuvor über Stunden nicht bewegt, wirst Du im Folgenden aber vermutlich erfreut sein. In voller Montur wird man schnell wieder warm.

Mit dem Boot auf’s Wasser?

Wer in’s kalte Wasser fällt, unterkühlt rasch. Dann ist auch die Schwimmweste keine Garantie mehr, das Erlebnis unbeschadet zu überstehen. Ich würde davon abraten, im Winter mit dem Boot große Strecken zurückzulegen. Große 300er Boote auf einem kleinen Gewässer erscheinen vertretbar. Hier muss jeder selbst wissen, welche Risiken ihm/ihr das Karpfenangeln im Winter akzeptabel erscheinen.

Karpfenangeln im Winter – Was ist mit geflochtener Schnur?

Es heißt, geflochtene Schnur sei für die Winterangelei auf Karpfen ungeeignet. Geht es um den Kontakt mit Eisschollen und Randeis, ist diese Aussage sicherlich berechtigt. Geflecht ist hier einfach zu wenig abriebfest, weshalb nun der Einsatz monofiter Komponenten sinnvoller erscheint.

Wenn Du mit einem dicken Gefecht jenseits von 0,30 mm im Winter auf Karpfen angelst, musst Du unter normalem Zug jedoch eher keine Abrisse befürchten. Stefan Seuss hat im harten Winter 2020 in einigen Videos aufgezeigt, das sich mit gefrorenem Geflecht selbst bei -15 Grad Celsius noch ein Waller drillen lässt.

Karpfenangeln im Winter – Wenn es hart kommt, muss eine Zwangspause eingelegt werden

Zugegeben, die Zahl wirklich harter Winter hierzulande nimmt nicht nur gefühlt sondern tatsächlich ab. Wir Karpfenangler haben daher die Gelegenheit, so gut wie keine Pausen einlegen zu müssen. Trifft uns über Wochen heftiger Dauerfrost, kann die Angelei dann aber doch unweigerlich ihr Ende finden. Genießt daher die Zeit milder Wintertage umso mehr!

Winter Angeln Taktik

Der Winter kann die mentale Einstellung zum Karpfenangeln offenbaren

Das Karpfenangeln im Winter kann durchaus auch die mentale Haltung zur eigenen Angelei offenbaren. Wer einzig und allein darauf aus ist, schnell sowie viel Fisch beim Angeln zu fangen, wird vermutlich in heimischen Gefilden abspringen und das eigene Tackle einmotten. So manch anderen Angler zieht es eventuell zu dieser Jahreszeit nach Südfrankreich oder gar Marokko.

Es ist nicht verwerflich, wenn sich die eigene Angelei vor allem um den Fang dreht. Im Winter wird aber wohl jeder Carphunter hierzulande in seinen Resultaten eingeschränkt. Auf der anderen Seite wird man mit dem Genuss der absoluten Ruhe der Natur belohnt. Störfaktoren, wie besetzte Plätze oder Passanten mit unangeleinten Hunden, gibt es kaum noch. Wer außerdem jetzt noch Motivation für Ansitze in sich aufruft, wird die wärmere Jahreszeit beim Karpfenangeln im Sommer definitiv umso mehr wertschätzen können.

Petri Heil beim Karpfenangeln im Winter!


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