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Schleie – Steckbrief, Lebensraum & Lebensweise

Schleie – Lexikoneintrag

Die Schleie (Tinca tinca) ist ein geheimnisvoller Fisch, der nicht allzu oft in der Natur vom Menschen

Schleienangeln

By Viridiflavus (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

beobachtet wird. Sie gehört zur Familie der Karpfenartigen. Einen Angelköder nimmt sie oft nur argwöhnisch und langsam, weshalb nur wenige Angler sie beangeln und noch weniger sie auch fangen. Auch wenn sie sehr launisch und zaghaft beim Biss ist, gibt sie im Drill Vollgas. In der Regel erkennt ein erfahrener Angler die Schleie bereits am Biss an der Posenrute.

Der Standplatz einer Schleie lässt sich daran erkennen, dass Bläschen aufsteigen oder das Wasser trüb eingefärbt ist. Außerdem kann es sich um eine Schleie handeln, wenn sich Schilfhalme bewegen, ohne vom Wind erfasst zu werden. Da Schleien eigentlich keinen natürlichen Feind in unserer Heimat haben, neigen sie zu einer ausgeprägten Vermehrung und einer, der Masse geschuldeten, Kleinwüchsigkeit. Schleien lassen sich von Raubfischen bei weitem nicht so leicht erbeuten, wie Weißfische.

Schleien sind wichtige Nutzfische, die geringe Ansprüche an die Wasserqualität stellen. Das Fleisch ist zart, fetthaltig und wohlschmeckend. Schleien, die in sehr schlammigen Gewässern gefangen wurden, sollten einige Tage in klarem Wasser, am besten bei Strömung, gehältert werden, damit sie ihren modrigen Geschmack verlieren. Des Weiteren werden die Fische oft als Nebenfisch in Karpfenteichen gezüchtet.

Durch Zucht entstand die Quolsdorfer Schleie, die in gut gedüngten Teichen bereits im 2. Jahr ein Gewicht von 150-250 g erreicht.

Schleie – Aussehen

Der Körper einer Schleie ist gedrungen und breitrückig. Der Kopf ist ebenfalls breit und groß, wohingegen die Augen eher klein sind. An ihrem endständigen Maul, welches sie leicht vorstülpen kann, besitzt die Schleie 2 Barteln. Die Schlundknochen sind mit je einer Zahnreihe bedeckt.

Ihre kleinen Rundschuppen liegen tief unter der schleimigen und dicken Haut. Die Schwanzflosse ist eingebuchtet, die Rückenflosse kurz. Alle Flossen am unteren Körper sind abgerundet. Die Schwanzwurzel ist sehr dick.

Milchner kann man daran erkennen, dass ihre Bauchflossen vergrößert sind. Rogner besitzen hingegen kleinere, aber besonders runde Bauchflossen.

Die Färbung variiert von Gewässer zu Gewässer. Rücken und Flanken sind dunkel- bis helloliv-grün und schimmern oft golden. Der Bauch ist heller gefärbt, die Flossen immer dunkel. Die Goldschleie, der die dunklen Farbpigmente fehlen, wird oft als Zierfisch in Gartenteichen gehalten.

Schleie – Vorkommen

Die Schleie ist in fast ganz Europa und Westsibirien vertreten. Ausnahmen bilden Mittel- und Nordskandinavien. Sogar in der östlichen Ostsee gibt es vereinzelt Schleien. Durch Besatzmaßnahmen wurde sie zudem in Nordamerika und in Australien heimisch. Des Weiteren kommt die Schleie in Gebirgsregionen von bis zu 1600 m vor. Grundsätzlich präferiert sie langsam fließende Gewässer und warme Seen und Teiche mit regem Pflanzenbewuchs und weichem Untergrund, an dem sie sich auch überwiegend aufhält.

Schleien sind zähe Geschöpfe. Tagsüber versteckt sich die lichtscheue Tinca und in der Dämmerung begibt sie sich auf Nahrungssuche.

Schleie – Nahrung

Schleien ernähren sich von Bodentieren aller Art. Zu nennen sind u.a. Insektenlarven, kleine Muscheln und Schnecken. Auch pflanzliche Kost wird gerne verspeist. Außerdem nimmt sie Schlammteilchen und Sand beim Durchwühlen des Schlammbodens auf.

Ab einer Wassertemperatur von 28 Grad stellt sie die Nahrungsaufnahme ein und fährt den Stoffwechsel, sowie Sauerstoffverbrauch, weitestgehend zurück. Bei höheren Temperaturen gräbt sie sich im Schlamm ein und verfällt in eine Art Hitzestarre. Aus diesem Grund kann sie sogar ein kurzfristiges Austrocknen ihres Gewässers überstehen.

Im Winter stellt die Schleie die Nahrungsaufnahme ebenfalls größtenteils ein und sucht die tiefen, schlammigen Bereiche auf. Schleien können im Übrigen mehrere Monate hungern ohne zu verenden.

Schleie – Größe und Gewicht

Durchschnittlich wird eine Schleie 20-30 cm lang. Die maximale Länge beläuft sich in Ausnahmefällen auf über 60 cm. Teilweise gibt es in Osteuropa Exemplare mit 70 cm und bis zu 7,5 kg Gewicht.

Die Schleie wächst sehr langsam. Nach einem Jahr ist sie 4-8 cm lang, nach 2 Jahren 10-15 cm, nach 3 Jahren 20-30 cm.

In kleinen Gewässern mit geringem Raubfischbestand neigt die Schleie zur Verbuttung.

Schleie – Fortpflanzung

Milchner werden nach dem zweiten bis dritten, Rogner nach dem vierten Lebensjahr geschlechtsreif. Ab diesem Zeitpunkt kann man die Geschlechter äußerlich an den Bauchflossen unterscheiden.

Schleien sind typische Sommerlaicher und laichen bei Temperaturen zwischen 19 und 20 Grad während des Mais, Junis und Julis an Wasserpflanzen ab. Die Fische schließen sich während der Laichzeit zu Schwärmen zusammen.

Die Eiablage dauert 60-90 Tage, da die Eier portionsweise, alle 2 Wochen, abgelegt werden. Es werden 300.000-600.000 Eier je kg Körpergewicht abgelegt. Die Eier sind mit einem Durchmesser von 0,8 bis 1 mm recht klein.

Bei einer Wassertemperatur von 20 Grad findet die Entwicklung nach 3 Tagen statt. Da sich am Kopf der Larven Klebedrüsen befinden, wird verhindert, dass jene im Schlamm versinken. Die Haftorgane bilden sich mit der Zeit zurück.

Schleie – Fanggeräte und Köder

Schleien sind das Ziel einiger Specimen Hunter. Als Rute genügt eine mittelschwere Grundrute, eine Matchrute oder eine Feederrute. Die Monofile Hauptschnur sollte, je nach Gewässerbeschaffenheit und der zu erwartenden Fische, 0,20-0,30 mm dick sein.

Als Köder bieten sich vor allem Mist- und Tauwürmer an. Aber auch Brot, Teig, Maden und Mais können zum Erfolg führen.

Die Hakengröße sollte zwischen 8 und 12 liegen.

Man kann Schleien durchaus selektiv anfüttern, wenn man Komposterde/Blumenerde mit zerhackten Würmern zu Ballen formt.

Trübes und regnerisches Wetter ist ideal zum Schleienangeln. Ähnlich wie der Aal scheut die Schleie Licht und geht besonders eifrig auf Nahrungssuche, wenn ein Gewitter ansteht.


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